Wild zelten, ohne Campingplatz, mitten im Wald? In Deutschland ist das eigentlich verboten. Doch im Nationalpark Schwarzwald gibt es geheime Plätze, an denen Abenteurer für eine Nacht ihr Zelt aufschlagen dürfen. Tolle Idee, aber klappt das auch mit Kind? Wir packen Rucksäcke, Wanderschuhe und die zweijährige Tochter ein – und gehen in die Wildnis.

Die Sonne steht schon ziemlich tief. Und noch immer geht’s weiter den Waldweg bergauf. Schritt für Schritt Richtung Trekking-Camp. Doch sind wir überhaupt noch richtig? Rechts Bäume, links Bäume. Helfen kann uns hier in der Wildnis irgendwo mitten im Schwarzwald niemand, höchstens das GPS-Gerät. Aber irgendwie will das mit den Koordinaten nicht so recht klappen. Die bekommt man nach Buchung zugeschickt, denn ohne sind die geheimen Zeltplätze im Wald nicht zu finden. Hätten wir doch nur eine Wanderkarte dabei, oder wenigstens das GPS-Gerät vorab getestet. Anfängerfehler beim Abenteuertrip…

Die Zweijährige hat es sich mit ihrem Stoffaffen in der Kraxe bequem gemacht. Ohne die Kindertrage wäre die Wanderung nicht machbar. Zwar sind vier Kilometer vom Parkplatz in Mitteltal bei Baiersbronn bis zum Camp keine lange Distanz, aber für kleine Beine ist der Weg bergauf anstrengend. Für große auch: Der Trekking-Rucksack mit Zelt, Schlafsack und Verpflegung drückt auf die Schultern. Wer mit Kind unterwegs ist, hat eben so viel mehr Gepäck: Matschhose, Regenjacke, Trinkflasche, Windeln, Wechselklamotten, und, und, und…

Die Kleine singt fröhlich in ihrer Kindertrage. Auch wir sind entspannt. Lange kann es ja nicht mehr dauern. Da, endlich. Geschafft. Die Schutzhütte. Unser Schlafplatz für heute Nacht. Sechs Camps gibt es im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, drei davon im Nationalpark Schwarzwald. Wir haben uns das mit der Schutzhütte ausgesucht. Wenn man mit Kind unterwegs ist, kann ein festes Dach über dem Kopf bei Sturm, Gewitter oder Hagel nicht schaden. Generell gilt natürlich: Vor der Tour Wettervorhersage checken. Und nach der Tour: Zeckensuche!

Kein Mensch verirrt sich hierher

Schön ist es hier. Es riecht nach Wald, der Bach plätschert, der Wind surrt in den Tannen. Und wohin führt der Trampelpfad? Unsere Tochter flitzt los, durch Farn und Gräser. „Oh“, ruft sie plötzlich. Zwischen den Bäumen steht ein Holzhäuschen mit Zahlenschloss. Wer den Code eingibt und die Tür öffnet, staunt: Ziemlich gemütlich ist das stille Örtchen, mit Kleiderhaken, Toilettenpapier, Schaufel und Besen. Die Kleine will gleich mal eine Runde fegen. Nächste Programmpunkte: Tannenzapfen sammeln, Pilze bestaunen, sich vor Libellen fürchten.

Wir sind wirklich in der Wildnis. Kein Mensch verirrt sich hierher. Außer, er hat ein Zelt dabei. So wie wir. Jetzt wird es spannend: Vater, Mutter, Tochter – alle wollen beim Aufbau helfen. Wir entscheiden uns nicht für eine der Holzplattformen, auf der das Zelt einsam im Wald stünde, sondern für die kinderfreundliche Variante neben der Hütte: weicher Waldboden, alles eben. Das Zelt steht tatsächlich in wenigen Minuten. „Ein Haus, ein Haus“, freut sich die Zweijährige. Isomatten rein, Schlafsäcke ausrollen, fertig ist unser Nachtlager. Dann ist’s Zeit fürs Abendessen. Obwohl genügend Holz hinter der Hütte liegt, fällt das Lagerfeuer aus: Waldbrandgefahr. Die Küche bleibt also kalt. Die Wienerle schmecken auch so und die Landjäger erst.

Langsam geht die Sonne unter. Es wird dunkel und kühl. Die ersten Sterne blitzen am Himmel. Jetzt alle ab ins Zelt, in die Schlafsäcke kuscheln. „Und Zähne putzen?“, fragt unsere Tochter. Stimmt. Fließend Wasser gibt’s zwar nicht, aber Ordnung muss sein. Danach ist wirklich Bettzeit. Draußen ist es ungewohnt ruhig, kein Autolärm wie Zuhause in der Großstadt. Nur der Bach plätschert und ein Kauz ruft. Oder ein Uhu? Das Kind schläft schnell tief und fest, wir Eltern ebenfalls, erschöpft.

In der Morgendämmerung erwacht der Wald. Die Vögel zwitschern, Insekten surren, der Wind pfeift um die Tannenspitzen. Wir liegen und lauschen. Unsere Tochter verschläft das Tierkonzert. Erst um halb neun klettert sie aus dem Schlafsack. Ziemlich gut so eine Nacht im wilden Wald!

 

Wildes Campen

Abenteuerfaktor? *****

Für wen? Abenteuerlustige mit und ohne Kind

Wo? Die sechs Trekking-Camps liegen im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, drei davon im Nationalpark Schwarzwald, zwischen Baden-Baden und Freudenstadt.

 Wie? Hin geht’s nur zu Fuß. Die GPS-Daten gibt es bei Buchung, Hinweise zum Anfahrtsweg auch. Gezeltet werden kann von Mai bis Oktober (10 Euro pro Zelt, Touren zwei bis sechs Stunden lang).

Ausrüstung? Feste Schuhe, Zelt, Schlafsack, Isomatte, Trinkwasser und Essen. Nicht vergessen: Wanderkarte und GPS-Gerät, um das Camp zu finden.

Info: http://www.trekking-schwarzwald.de